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Von der Stilllegung der Mobil Oil Raffinerie Ende 1995 und der Ankündigung, dass die Industrieanlage vollständig demontiert
würde, waren nicht nur die Mitarbeiter des Betriebs betroffen. Für den vom NVS am Schornstein angebrachten künstlichen Horst, in dem ein Wanderfalkenpaar schon mehrmals erfolgreich gebrütet hatte,
musste ein neuer Standort gefunden werden, bevor der Schornstein gesprengt wurde.
Ulrich Kabel, Mitglied der NVS Ortsgruppe Wörth, übernahm diese Aufgabe. Im LKW-Werk Wörth der Firma DaimlerChrysler stieß er
auf große Aufgeschlossenheit für sein Anliegen, aus der sich eine beispielhafte Unterstützung für dieses ungewöhnliche Naturschutzprojekt entwickelte. Der Umzug war ein voller Erfolg: der Horst
wurde an dem neuen Standort wieder angenommen, und heute gehört der höchste Schornstein auf dem Werksgelände zur bevorzugten Aussichtsplattform des Wanderfalkenpaares.
Für die Brutsaison 2000 wurde der Horst mit einer Kamera ausgestattet, die Bilder vom
Horst zu einem Serversystem übertragen konnte. So entstand von diesem bisher erfolgreichsten Brutjahr – es flogen vier Jungvögel aus – eine einmalige
Bilddokumentation über das Familienleben der Wanderfalken: die erste Inspektion des Horstes Anfang März, das erste Ei, die Ablösung während der Brutzeit, das Schlüpfen
der 4 Küken im Abstand von je 2 Tagen,. die Fütterung und Pflege, die ersten Flugversuche,... festgehalten in H underten von Einzelbildern, ohne die Wanderfalken im geringsten zu stören.
So konnte z.B. beobachtet werden, dass bei den Wanderfalken Gleichberechtigung
herrscht und der Terzel (der männliche Altvogel) ein tüchtiger „Hausmann“ ist: sobald das größere und kräftigere Weibchen nach der langen Brutzeit wieder zu Kräften
gekommen ist und die Kleinen immer mehr Nahrung brauchen, geht vorwiegend sie auf Jagd und bringt die Beute zum Horst, wo der Terzel es übernimmt, die Nahrung zu
zerkleinern und an die Jungvögel zu verteilen. Dabei achtet er darauf, dass auch das kleinste Küken, das ja 6 Tage jünger als das Erstgeschlüpfte ist, seinen Anteil bekommt.
Innerhalb von wenigen Wochen vollzieht sich eine faszinierende Wandlung: aus
den winzigen weißen Flaumballen werden Jungvögel, die auf der kleinen Plattform vor der Nistkammer mit kräftigen Schlägen ihre Flügel trainieren. Und
schon Anfang Juli kann der Horst gesäubert und für die nächste Saison vorbereitet werden, eine Arbeit, der sich Ulrich Kabel (im Bild unten links) immer
noch gerne annimmt. Auch das Horstbuch wird jedes Jahr von ihm fortgeschrieben, um das Leben dieser bedrohten Vogelart inmitten einer Industrielandschaft detailliert aufzuzeichnen.
Die Unterstützung dieses Projektes seitens der Firma DaimlerChrysler wurde im
Umweltbericht Magazin 2001 des Unternehmens einer breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht: eine ganze Seite wurde Ulrich Kabel und „seinen“ Wanderfalken ge widmet.
Mehr als eine freundliche Geste, ist diese Würdigung auch ein öffentliches Bekenntnis zum aktiven Naturschutz, für
das sich der Naturschutzverband Südpfalz auch an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.

Uli Kabel ist zufrieden:
hier finden die Wanderfalken beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Brutsaison 2002 vor.
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